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Der '''Fahrradsattel''' ist der Teil des Fahrrades, der den Fahrer beim Radfahren im Sitzen abstützt. Die Form hängt vom Verwendungszweck des Fahrrades und von körperlichen Merkmalen des Fahrers ab.

Aufbau

Ein Fahrradsattel besteht aus einer hinteren Sitzfläche und der sogenannten Sattelnase, die ein versehentliches Abrutschen vom Sattel verhindert und so auch das freihändige Fahren erleichtert. Wenn der Sattel bis zum Anschlag nach hinten geschoben werden muss, um eine ergonomische Haltung auf dem Rad zu erzielen, können die Halteschienen des Sattels überlastet werden. Alternativ kann eine spezielle montiert werden, deren Klemmstelle sich weiter hinten befindet. Unter Umständen sollte dann aber ein Fahrrad mit einer anderen Rahmengeometrie gewählt werden.
Um die für den Radfahrer optimale Sitzposition zu finden, kann es notwendig sein, die Feinjustierung des Sattels mehrfach zu verändern. Dabei hilft die Skala, die bei einigen höherwertigen Sätteln auf die Halteschienen gedruckt wird.

Sofern die Sattelklemmung lediglich mit einer einzelnen Schraube ausgeführt wird, besteht die Gefahr, dass sich der Sattel im Laufe der Zeit ungewollt nach hinten oder vorne neigt. Um dies zu verhindern, ist es ratsam, das Gewinde der Schraube vor dem Einbau zu ölen. So kann eine größere Anzugskraft erzielt werden, ohne eine übermäßige Kraft auszuüben oder den Schraubenkopf zu beschädigen.

Die Sattelhöhe richtet sich nach der Körpergröße des Fahrers. Ergonomisch optimal ist der Sattel in seiner Höhe dann, wenn der Fahrer bei der tiefsten Pedalstellung sein Bein noch leicht angewinkelt hat. Die Sattelhöhe wird über die (Sattelkerze) eingestellt.

Medizinische Aspekte

Aus medizinischer Sicht ist beim Fahrradfahren hauptsächlich eine ungeeignete Einstellung des Fahrrades Grund für Probleme bei der Durchblutung und Versorgung der Nervenzellen im Damm- und Beckenbereich. Falsche Sattel werden oft propagiert, sind aber nur sehr selten die Ursache. Derartige Meldungen geistern seit einigen Jahren im Internet herum, sind aber Werbemaßnahmen von alternativen Sattelherstellern. Angebliche Erektionsstörungen, hervorgerufen durch Radfahren, konnten nie nachgewiesen werden, ebenso wie angebliche mangelnde Zeugungsfähigkeit von Radfahrern.

Alle Sportler, die sich lange im Sattel aufhalten (Rennrad), sowie Reiseradler, die extrem lange fahren, bevorzugen harte Sättel in der herkömmlichen Bauform und meistens solche aus Kernleder. Bei Rennrädern wird bei Eintagesrennen oder kurzen Etappenfahrten aus Gewichtsgründen oft zum Titansattel mit Kunststoffoberteil gegriffen.

Obwohl der Sattel als einer der Kontaktpunkte zwischen Radfahrer und Fahrrad direkten Einfluss auf den Beckenbereich des Fahrradfahrers nimmt, ist aus medizinischer Sicht diese Zone nur Teil des gesamten Bewegungsapparates, der gesamten Körperhaltung und der menschlichen Anatomie und somit als Einheit zu sehen und zu untersuchen. Daher sind weitere medizinische Aspekte der Handlung ?Fahrradfahren? zuzuordnen, obwohl auch diese teilweise durch die Bauweise des Sattels beeinflusst werden.

Um dem Problem der Druckbelastung im Dammbereich zu begegnen, gibt es darüber hinaus von den verschiedenen Herstellern unterschiedliche Lösungsansätze. Neben einer Verkürzung der Sattelnase finden sich auch Sattelvarianten, die am Übergang von Sattelnase zur Sitzfläche eine längliche Vertiefung eingearbeitet haben oder gar ein komplettes, längliches Loch aufweisen.

Derartige Modelle werden als ?Lochsattel? bezeichnet. Medizinische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass es bei diesen Varianten stark von der augenblicklichen Sitzposition des Fahrers abhängt, ob der gewünschte Effekt der Druckentlastung erreicht wird oder nicht. Im ungünstigen Fall kann sich bei diesen Modellen der Druck gegenüber einem herkömmlichen Sattel sogar deutlich erhöhen. Manche Lochsattel besitzen zudem Konstruktionen, die das Gesäß über die Öffnung im Sattel kühlen und lüften sollen. Die Wirkung derartiger Konstruktionen ist umstritten.

Bekannte Hersteller

  • ''BBB'' aus Australien
  • Brooks ist bekannt für Ledersättel. Der ehemals eigenständige englische Hersteller wurde 2003 von der italienischen Fa. Selle Royal (s. u.) aufgekauft.
  • ''Kore Bicycle Components'', USA
  • Lepper mit Sitz in den Niederlanden stellt ausschließlich Ledersättel her.
  • ''Prologo'', Italien
  • ''RTI'' mit Sitz in Deutschland, der Handelsname ist ''Terry''.
  • Selle San Marco, gegründet 1935, großer italienischer Hersteller mit Schwerpunkt auf sportlichen Modellen.
  • ''Season Bikes'',
  • Selle Royal mit Sitz in Italien ist weltweiter , gegründet 1956. Viele Fertigräder sind ab Werk mit einem Sattel dieses Herstellers ausgestattet. Schwerpunkt sind Sättel mit Geleinlage, er bietet auch Kindersättel an.
  • Selle Italia, großer italienischer Hersteller mit Schwerpunkt auf sportlichen Modellen, produziert auch Sättel für andere Fahrrad- und Komponentenmarken wie Specialized und Ritchey.
  • ''SQLab'', Deutschland hat als erster Hersteller den sogenannten Stufensattel produziert; Hersteller von Nischenprodukten.
  • ''Velo Enterprises'' mit Sitz in Taiwan, der Handelsname ist ''Velo'' mit diversen Zusätzen. Viele Fertigräder werden ab Werk mit Sätteln dieses Herstellers ausgestattet, bietet auch Kindersättel und aufblasbare Sättel an.
  • ''WTB'' (Wilderness Trail Bikes), USA
  • Wittkop mit Sitz in Deutschland stellt auch Kindersättel her.
  • ''XLC'', Deutschland; Zubehörmarke der Winora-Staiger-Gruppe, bietet ebenfalls Kindersättel an.

Sattelzubehör

Regenschutzüberzüge für Fahrradsättel werden heute nicht nur von Sattelherstellern in großer Materialvielfalt und in unterschiedlichen Preisklassen angeboten. Sie bestehen allesamt aus wasserundurchlässigem Material ? beispielsweise Neopren ? und sind mehr oder minder reißfest. Sie sind sowohl im Fahrradfachhandel als auch in Kaufhäusern und zeitweise sogar in Discountläden zu finden.

Bei älteren Sattelmodellen war eine sogenannte Satteltasche aus Kunststoff oder Textilfasern üblich, die Kleinwerkzeug für eine Fahrradreparatur im Pannenfall aufnehmen konnte. Da modernen Sätteln Ösen zur Satteltaschenbefestigung meistens fehlen, ist dieses nützliche Zubehör nur noch selten anzutreffen. Oft ist es nur noch mit handwerklichem Geschick möglich, eine Satteltasche an einem modernen Sattel zu befestigen. Moderne Lösungen mit anklickbaren Taschen sind jedoch weiter verbreitet.

Manchmal wird aus optischen Gründen mit Hilfe eines umlaufenden Gummis ein ansonsten funktionsloser Stoff-, Kunststoff- oder Fellbezug über den Sitzflächenbezug des Sattels gezogen. Dieser zusätzliche Überzug wird Satteldecke genannt. Es gibt Satteldecken in zahllosen Ausführungen. Eine Satteldecke kann man sich mit ein wenig Geschick preiswert selbst nähen.

Bedruckte Sattelüberzüge werden von Firmen auch als Werbeflächen kostenlos als ?Wurfsendung? an geparkten Fahrrädern überzogen.

Spezielles Lederfett zur Pflege von Ledersätteln wird im Fahrrad- wie im Leder- und Reitsporthandel angeboten.

Weblinks

  • Stiftung Warentest: Fahrrad-Federung test.de, 25. Oktober 2012
  • ADFC-Fachausschuss Technik: Sitzen auf dem Fahrrad
  • Smolik Velotech: Sattel
  • Wiki Pedalia: ein bequemer Sattel

Fußnoten